Ein Laientheater spielt ein Laientheater
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- Erstellt am Donnerstag, 17 November 2011 11:57
- Geschrieben von Volksstimme Sissach
Liestal. Bühne Liestal überzeugt mit der Komödie "Spilet wyter"
In ihrer diesjährigen Ausgabe zeigt die Bühne Liestal das Lustspiel "Spilet wyter" über Freuden und Leiden von Laiendarstellern bei der Probe und Premiere eines Kriminaltheaters. Ein fürs Publikum sehr lustiges und für die Schauspieler anspruchvolles Stück.
Barbara Saladin
"Den Text kann ich schon. Ich weiss nur nicht, wann ich ihn sagen soll." - Diese und vielfältige andere Probleme umgeben eine Gruppe von Laiendarstellern, die ein Kriminalstück aufführen wollen und wenige Tage vor der Premiere noch alles andere als sattelfest sind. Gespielt wird diese Gruppe von der Bühne Liestal in der Komödie "Spilet wyter" des Amerikaners Rick Abbot. Es ist ein Stück in drei Akten - Probe, Hauptprobe und Uraufführung - das seine Premiere am vergangenen Wochenende in der vollen Aula der Gewerblich-industriellen berufsfachschule Liestal feierte.
Die Rollen der Laiendarsteller im Stück spielten die Laiendarsteller der Bühne Liestal mit ihren echten Namen, was eine Art Zwischenebene schaffte, die an das prinzip der schachtelbaren russischen Holz-Babuschka erinnerte: ein Stück im Stück. Die Theaterprobe wurde immer wieder unterbrochen - durch textunsicherheiten, Gifteleien oder dadurch, dass die unbeliebteAutorin das Stück ständig ändern wollte. Diese Mehrschichtigkeit war alles andere als einfach zu spielen, doch die Beteiligten meisterten die Aufgabe mit Bravour.
Anspruchsvolle Wechsel
Ebenfalls anspruchsvoll ist, ständig zwischen konzentrierter Körperspannung und gespielter Natürlichkeit zu wechseln, ein schreckliches Schweizerhochdeutsch zu benutzen, mit völlig entgleister Mimik oder immerwährenden Ticks zu spielen. Denn die gespielten Schauspieler waren alles andere als talentiert. So verkam beispielsweise eine Szene, in der sich der neureiche Millionär und die blaublütige Schönheit finden, zu einem sterilen - und nicht minder skurrilen - Herunterleiern der auswendig gelernten Sätze. Fazit: Einen schlechten Schauspieler gut zu spielen, ist eine hohe Kunst. Und die Laiendarsteller der Bühne Liestal beherrschen sie eindeutig. Sehr zur Begeisterung des Publikums.
Auch der Text von "Spilet wyter" hatte es in sich, denn während des Stücks kam er oft mehrfach und in Variationen vor - mämlich mit und ohne Versprecher undin verschiedenen Stimmungen während verschiedener Probephasen. Da sah man den Schauspielern der Bühne Liestal auch die Textunsicherheiten nach, die sich ab und zu eingeschlichen hatten. Besonders hervorgehoben sei die Leistung von Christian Kleiber, der den regisseur Christian spielte: Er war nach dem Austritt eines anderen Schauspielers erst vor vier Wochen ins Team geholt worden und hatte es während dieser Zeit geschafft, seine Rolle überzeugend auszufüllen.
Ständige Steigerung
Regisseurin Manuela Glanzmann inszenierte ein witziges Lustspiel, das sich im Laufe seiner drei Akte ständig steigert. Die Premiere in der Premiere war dann der grosse Moment, doch bereits der erste Dialog lief völlig aus dem Ruder. Das Stück entgleiste, die Grenzen zwischen den verschachtelten Figuren verschwammen, am Schluss spielte die Hälfte der Schauspieler betrunkene Schauspieler, und das Publikum tobte.
"Uns hats Spass gemacht, ich denke, Ihnen auch" sagte die Präsidentin der Bühne Liestal. Cornelia Schenk, am Schluss der Premiere. Womit sie Recht hatte.

