Amateure spielen Laien, die Theater spielen
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- Erstellt am Montag, 14 November 2011 10:11
- Geschrieben von Basellandschaftliche Zeitung (BZ)
Liestal. Das über 50-jährige Amateurtheater Bühne Liestal gibt die Komödie "Spilet wyter" und beweist damit Selbstironie und Können.
von Michèlle Faller
Die Szene zeigt eine Abendgesellschaft bei Lord Dudley. Die junge Diana lobt den Gastgeber, der lässige Doktor Forbes blickt gelangweilt, während Tom Sellers nichts weniger als einen Mordverdacht äussert. Auffällig ist, wie überdeutlich die Darstellerin der Lady Margaret die einzelnen Silben betont, wie die Hand des Sellers-Mimen sich nervös an seinem Jackett zu schaffen macht.
Nach einer sehr langen Pause sagt die junge Diana mitten ins englische Interieur: "Ou, do chum jo iich!" Stöhnen und genervte Blicke rundum; jemand will eine Textstelle streichen, der Inspizient kommt nach vorne und mischt sich ein, und nur mit grosser Mühe kann der hypernervöse Regisseur die Truppe endlich zum Weiterspielen animieren.
Die Bühne Liestal gewährt nicht etwa einen Einblick in ihre Probenarbeit; das hier ist Premiere. Die Laientheatergruppe, die seit 53 Jahren das kulturelle Leben Liestals belebt, spielt "Spilet wyter", eine Dialektfassung von Rick Abbots "Play on!" und bringt somit - nebst der haarstreubenden Story um Lord Dudley und Co - eine Geschichte auf die Bühne, die dem wirklichen Leben zum Verwechseln ähnlich sieht: eine Laientheatergruppe, die mit grossem Engagement und unter grosser Anstrengung ein Stück einstudiert.
"Es ist ein schwieriges Stück", sagt Regisseurin Manuela Glanzmann und meint damit die Kunst, eine der eigenen Person sehr ähnliche Figur zu spielen, die wiederum in eine Rolle schlüpft. Das gelingt dem Ensemble vorzüglich. Da wird Text heruntergeleiert, über den nicht verpassten Einsatz triumpfiert und übertrieben theatralisch gestorben, dass es eine wahre Freude ist.
Wie im wirklichen Leben
Die Ähnlichkeit zum wirklichen, zuweilen nicht minder chaotischen Laientheaterleben sei frappant, versichern die Ensemblemitglieder und berichten von Versprechern, heruntergefallenen Haarteilen und der Umbesetzung des Regisseur-Darstellers - vier Wochen vor der Premiere. Was ist das für eine Truppe, die mit so viel Selbstironie das Amateurtheater auf die Schippe nimmt? 1958 wurde die Theatergruppe gegründet, die in den vergangenen Jahrzehnten Krimis, Märchen, experimentelle und sozialkritische Stücke und immer Komödien gespielt hat. Vor drei Jahren mit "Syydeband und Bottewaage" um eine Posamenterfamilie auch ein Stück mit einem ureigenen Baselbieter Thema.
Dass eine über 50-jährige Theatergruppenvergangenheit nicht ohne Kriese abgeht, ist nicht nur in Abbots Stück so. 1998 drohte die Auflösung, wie Präsidentin Conny Schenk berichtet. "Die Bühne Liestal ist gleich alt wie ich, und ich wollte unbedingt verhindern, dass es sie nicht mehr gibt!". Sie mobilisierte neue Mitglieder und konnte statt dem Aus einen Generationswechsel herbeiführen.
Auf der Bühne hat man sich in der Zwischenzeit - unter Morddrohungen, Tränen, hysterischem Gelächter und technischen Katastrophen - zur Premiere durchgeschlagen. Das Publikum japst und einige Textpassagen gehen im Gelächter unter. Denn die Schauspieler machen praktisch nichts so wie vom fiktiven Text oder Regisseur vorgesehen, ausser eines: weiterspielen! Was die Bühne Liestal sicher auch noch lange tun wird.

