Die Krise prägt die Bühne Liestal doppelt

Die Bühne Liestal feiert eine erfolgreiche Premiere von "Bubblegum & Brillanten". Die Finanzkrise spielt im Stück eine grosse Rolle.

In ihrem neuen Stück lacht die Bühne Liestal böse über die Wirtschaftskrise. Hinter den Kulisen leidet sie selber stark darunter.


Andreas Maurer
Vor Beginn der Premiere sind die Mitglieder der Bühne Liestal sichtlich angespannt. Sie hoffen auf ein zahlreiches Publikum. Die Aula der gewerblich-industriellen Berufsfachschule bietet 180 Leuten Platz. "Wenn 100 kommen freuen wir uns", gibt sich Produktionsleiterin Patricia Furler bescheiden. Ihr Ziel wird deutlich übertroffen: Die Premiere ist sehr gut besucht. Die Komödie "Bubblegum & Brillanten" sorgt für heitere Stimmung. Sprüche wie "Mitgefühl ist etwas für das arme Volk, bei Adel und Geschäftsleuten ist es eher hinderlich" entlocken dem Publikum herzhafte Lacher.

"Wir mussten beim Bühnenbild und den Kostümen sparen, bedauert Furler. Unerwartet viele Sponsoren kündeten der Bühne Liestal dieses Jahr ihre Unterstützung. "Böse gesagt: Für einige Sponsoren ist die Krise eine willkommene Gelegenheit, um ihre Beiträge zu streichen", meint Furler. Das Budget des aktuellen Stücks beträgt knapp 35'000  Franken. Es fehlen Sponsorengelder in der Höhe von rund 10'000 Franken. Das Theaterensemble geht ein Risiko ein: Falls die zehn Vorstellungen zu wenig besucht werden, droht ein finanzielles Fiasko. Einzig Regisseur Beat Bill und Pianist Urs Rudin werden entlöhnt. Der Lohn der Schauspieler ist der Applaus. "Die Bühne Liestal ist etwas zwischen Dorftheater und Profibetrieb", umschreibt Bill. Die Stadt Liestal zahle einen "schönen Zustupf". Der Kanton übernimmt eine Defizitgarantie von 2000 Franken. Dies bezeichnet Furler als bescheiden. "Wir wünschen uns mehr Anerkennung vom offiziellen Liestal", fordert der PR-Verantwortliche Thomas Schweizer. Damit meint er nicht nur finanzielle Beiträge. Er wüncht sich eine Geste der Anerkennung.

Liestal empfindet er als "kulturellen Holzboden". Es sei hier sehr schwierig, ein Theaterpublikum zu mobilisieren. "Zum Beispiel in Luzern und Umgebung geniesst das Theater einen viel höheren Stellenwert", weiss Regisseur Bill aus Erfahrung. Das liege wohl auch daran, dass das Theater im katholischen Raum stärker verwurzelt sei, bedenkt er. Liestal sei ein besonders hartes Pflaster, da es weder Land noch Stadt sei. Die Bühne Liestal habe daher schon viele Tiefs und schöpferische Pausen rlebt, brichtet Schweizer. "Vor ein paar Jahren waren wir kurz vor dem Aufgeben", blickt er zurück. Unterdessen sei der Zusammenhalt des "wahrscheinlich ältesten permanent spielenden Theaterensembles der Region" aber wieder stark gewachsen.

Die Suche nach dem Grosserfolg

Den Höhepunkt erlebte das 1958 gegründete Ensemble vor einem Jahr: Die Jubiläumsaufführung "Syydeband & Bottewaage" sei überraschend vom Publikum regelrecht überrannt worden, erzählt Bill. Damit konnten die anderen Stücke des Ensembles quersubventioniert werden. Es sei schwierig geworden, nach diesem Grosserfolg wieder ein passendes Stück zu finden.

"Bubblegum & Brillanten" wird als "etwas englische" Komödie angekünigt. Nur "etwas", da das Stück vom Deutschen Jürgen Baumgarten geschrieben wurde. Die Bühne Liestal wiederum lässt die englischen Adelsleute in breitem Baselbieter Dialekt sprechen. Das Stück wurde auch an die Aktualität angepasst: Hintergrund ist die gegenwärtige Finanzkriese. Ein adliges Ehepaar plant deshalb einen gemeinsamen Selbstmord, doch selbst daran scheitern die beiden. Die Komödie lebt von der Ernsthaftigkeit. "Je ernster es wird, desto witziger", erklärt der Regisseur die Absicht.